Chris Hülsbeck – Discographie – Number Nine – 2007

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Lange haben die Fans darauf gewartet. Voller Sehnsucht streckten die Menschen ihre Ohren nach ihm aus, aber vergebens… und 10 Jahre mussten die Synthesizer Fanatiker warten. Denn so lange ist es schon her, dass Chris Hülsbeck seine letzte Scheibe „Extreme Assault“ zusammen mit Fabian Del Priore schmiedete. Mitte 2007 hielt Chris dann endlich seine neue CD in den Händen! In einem Interview auf der Games Convention in Leipzig ist es ihm deutlich anzusehen was ihm diese Platte bedeutet, dass es nicht einfach ein weiteres Werk ist, dass er auch nicht einfach HCD9 taufte, sondern mal etwas völlig anderes sein sollte. Etwas, was er noch nie zuvor kreiert hatte, etwas, was er seinen Fans bisher noch nie auf die Ohren geben konnte. Es waren Sounds die auch eventuell zu einem Videospiel gepasst hätten, es aber nie in ein Spiel geschafft haben. Viele Melodien die man nun auf Number Nine zu hören bekommt, schwirrten ihm schon vor 20 Jahren im Kopf. Bloß hatte er nie die Zeit, diese Ideen weiter auszuarbeiten und zu verfeinern.

Ob Hülsbeck glaubte er ist seinen Fans etwas schuldig? Vielleicht, dass er solange weg war ohne etwas von sich hören zu lassen? (Von den kleineren Projekten einmal abgesehen) Es erweckt zumindest ein bisschen den Eindruck wenn man bedenkt, dass er die CD ausschließlich in seiner Freizeit produziert hat, obwohl er davon eigentlich nicht viel hat. Die Projekte bei Factor 5 spannen über den ganzen Tag, ohne viel Luft dazwischen. Vielleicht etwas Melancholisch gibt sich die neue „Nummer Neun“, denn wie das Cover der CD schon vermuten lässt, geht es um seinen momentanen Wohnort: San Francisco. Das Cover der CD hat er seinen langjährigen Freunden Frank Matzke und Rudolph Stember zu verdanken, denn diese halfen ihm dabei das Cover und Booklet seiner neuen CD zu erstellen.

Durch den eher zwanghaften Umzug von Deutschland nach Amerika gibt es für ihn sicher auch Tage wo Chris wieder in seine Heimat zurück will. Aber Factor 5 ist sein Arbeitgeber in Amerika und in Deutschland seiner Inspiration nachzugehen, macht ihn nicht satt, da es hier kaum Nachfrage gibt nach Soundmagiern wie ihn. Es blieb ihm also nichts anderes übrig als vor 10 Jahren den Plänen von Factor 5 zu folgen und nach Amerika auszuwandern, wenn er sich nicht zur Ruhe setzen wollte. Und so handelt die CD von den Eindrücken die er gesammelt, hat während der Zeit die er jetzt in San Francisco lebt. Die Landschaft, die Menschen und ganz einfach auch den Bezug zu dieser Stadt, haben ihn inspiriert. Aber auch Heimweh lässt er in einzelnen Tracks durchblicken. Heimweh und die Erinnerung an die damit verbundene Vergangenheit, wovon „Germany Calling“ und „Those where the Days“ etwas zu erzählen haben. Diese beiden Songs werden ganz zart von bekannten Sounds ausgemalt. In Germany Calling sind zu Anfang die Klänge eines Commodore 64 zu vernehmen. Those where the Days wurde von Chris’s langjährigen Freunden Jan Zottmann und Fabian Del Priore arrangiert und Komponiert. Verwendet haben sie dabei einige gesammelte Melodien die Chris schon vor längerer Zeit einmal umsetzen wollte. Besonderes Schmankerl in diesem Song ist die Stimme von Birgit Holler, dessen Ehemann Markus eigentlich jedem Spielemusikfan ein Begriff sein dürfte. Er vertonte Spiele wie Tales of Tamar, Operation: Counterstrike oder The Holy Trinity. Einige Stücke enthalten sogar Live Instrumente die einen guten Kontrast zum Elektronischen Stil bieten. „Endless Dunes“ enthält einen E-Bass der von Hans Winold gespielt wird. Manus Burchart, nahm für seinen Freund Chris Hülsbeck, für ein paar Titel einige Riffe und Solo Improvisationen mit der E-Gitarre auf, die in verschiedenen Songs zu hören sind. Chris kann sogar auf diesem Album sozusagen eine Premiere feiern! Er spielte erstmalig, für die Produktion dieser CD, auf einer Hawaiianischen Ukulule! In den Songs „Lombard Street“ und „The Island“ könnt ihr seinen ersten Versuch überhaupt, in voller Länge genießen. Ob Chris nun das Ufer wechseln will, und seinen Synthesizer an den Nagel hängen will? Nein, ich kann beruhigen, seine Bestimmung ist der Elektronische Sound. Das er aber auch gerne Experimentiert und Stilrichtungen ineinander vermischt, hat er ja auch bereits vor vielen Jahren schon gezeigt.

Ein sehr trauriges Stück ist diesmal auch dabei, es erinnert ein wenig an „On Stage“ vom Album „To be on top“, was aber bei weitem nicht das selbe bedeuten soll. „Remembrance“ ist seiner langjährigen Freundin und Lebensgefährtin Diane gewidmet die nach langjähriger Krankheit 2006 plötzlich verstarb. Für ihn natürlich ein Schock, den er immer noch verarbeitet. Als er das Stück auf dem Klavier komponierte wurden Erinnerungen aus den vergangenen Jahren wach. „Tomorrows Yesterday“, ein Dance Track der von seinem langjährigen Freund DJ Doug Laurent und der Sängerin Nina Gerhardt stammt. 2002 war Chris sehr angetan von den stimmlichen Fähigkeiten der Sängerin und den deutsamen Textpassagen. So kam es das er Doug um einen Remix bat. Die Single kam nur leider nie auf den Markt. Nun kann er aber endlich im Rahmen von Number Nine diesen Song seinen Fans präsentieren.

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1997 produzierte Chris mit Doug Laurent die Single „Stay“ die ich auch schon eingehend in dieser Hülsbeck Discographie beschrieben habe. Leider wurde auch diese Scheibe kein finanzieller Erfolg, was ja nicht immer was mit der Qualität zu tun hat, wie wir ja alle wissen. Das Chris an diesem Track mitgearbeitet hatte wusste ich ja bereits schon vor erscheinen von Number Nine, da Fabian Del Priore mich darauf aufmerksam machte. Aber nun ist es mit Veröffentlichung diesen Albums offiziell. 10 Jahre nach Erscheinung dieser Single war es ihm jetzt möglich die Platte aus der Versenkung zu holen und seinen Hörern als kleinen Bonus mit drauf zu packen.

Was wäre eine Hülsbeck Scheibe wenn nicht wenigstens ein kleiner Funken von Spielemusik mit drauf enthalten wäre? Für mich wäre es keine. So war ich also heilfroh als ich den letzten Track auf der Rückseite der CD Hülle lesen konnte: „Turrican 3 Piano Suite“ Dieser Song wurde 2006, in einer komplexen Partitur, auf dem Eröffnungskonzert der „Games Convention“ im Gewandshaus zu Leipzig uraufgeführt. Das Arrangement schrieb Jonne Valtonen. Die Einspielung übernahm der finnische Pianist Jari Salmela.

Für mich persönlich zählt Number Nine zu einer seiner besten Werke. Vielen Dank Chris!

Marco Kautz am 15-06-2008