Computermusik

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Als ich 1988 den Commodore 64 meines Vaters bekam, war auch eine Disketten Box mit dabei. Unzählige Spiele, ein Paradies! 😀 Und wisst ihr, welche Spiele mir da speziell in Erinnerung geblieben sind? Das waren unter anderem Hot Wheels, Nebulus, Giana Sisters, Gyruss, Tetris, Super Hang on, Jinks, Bad Cat, Turrican, Bubble Bobble, Gauntlet, Atztec Challenge und Bomb Jack, um jetzt nur mal die zu nennen, die mich speziell aus nur einem Grund immer wieder dazu bewegt haben, die 51/4 Zoll Diskette in das Laufwerk zu schieben und das Spiel über den Load“*“,8,1 Befehl zu laden. Es war die MUSIK! Gänsehaut erfuhr ich 1990 bei der Ladesequenz von Turrican, als der C64 sogar anfing zu sprechen, auch wenn ich es nicht verstand, was er dort in dieser robotisch-knarrzenden Stimme sagte. Mal davon abgesehen, dass es Englisch war…. es war unheimlich, es war sogar so unheimlich, das ich den C64 schnell ausschaltete. War etwas kaputt? Oder sollte das so sein?? (nicht lachen!! Ich war 10 Jahre alt 😛 ) Ich war allein im Zimmer und meinen Vater fragen, ob mein C64 jetzt kaputt ist, wollte ich auch nicht. Also nahm ich allen Mut zusammen und schaltete ihn wieder ein, um das Programm erneut zu laden. Und wieder kam dieses Intro…. Herzklopfen… aber diesmal überstand ich den Moment mit der Ansage: „Welcome to Turrican! Be my Guest! Another Day, Another Try! But Remember! SHOOT OR DIE!!! HAHAHAHAHA!! Kurze Zeit später kam das Titelbild zum Spiel und die Musik. Ich war wie gefangen und schaute mir dabei dieses Bild an, was meiner Meinung nach ohnehin das Beste am ganzen Spiel war. Titelbilder und Spiele Verpackungen waren meistens fantastisch gezeichnet und im Spiel blieb davon leider nicht mehr allzuviel übrig. 😉 Aber das ist ein anderes Thema… Was für mich am geilsten war, war der Klang, den der Computer von sich gab. Das kannte man von nirgendwo her. Weder im Radio, noch auf Papas Schallplatten (CD kam bei uns kurze Zeit später) konnte man solch synthetischen Klänge wahrnehmen.

Umso mehr freute ich mich das es noch mehr Spiele gab, die eine Melodie hatten, bei der man geneigt war mit zu summen. Das Titellied von Giana Sisters zum Beispiel ertönte manchmal auch einfach nur so aus meinem Zimmer heraus, auch wenn ich gar nicht direkt davor saß, um es zu spielen, sondern einfach nur um die Musik zu hören. Sie erzeugte eine Fröhlichkeit in mir. Unbeschwertheit. Leichtigkeit. Mut! Passend zum Spielthema von Giana Sisters: Das Mädchen Giana träumt einen Alptraum und durchstreift dabei seltsame Welten und begegnet dabei Drachen und Monstern. Was braucht man um dieses Abenteuer zu bestehen? Fröhlichkeit. Unbeschwertheit. Leichtigkeit. Mut! Es ist fantastisch, was Musik bewirken kann und das habe ich schon sehr früh anhand dieser Spiele gespürt. Aber das war kein Einzelfall und diese Sache zog noch weitere Kreise, die ich dann auch später auf dem Amiga erlebte. Vor allem der Sound des Amigas lies mich dann 1992 nicht mehr los. Irre zu was mein Amiga 500 seinerzeit soundtechnisch im Stande war. Turrican, Gods, Magic Pockets, Ghost Battle sind jetzt mal vier Spiele, die mir sofort in den Sinn kommen wenn ich an meine ersten „WOW“-Momente mit dem Amiga zurück denke. Ich fand das so genial, dass ich mir eine Kassette mit den Songs aus den Spielen, die mir gut gefielen, erstellte. Aber ich hatte dafür kein geeignetes Werkzeug und ich überlegte, wie ich eine Aufnahme machen konnte. Da ich zu der Zeit einen Kassetten Rekorder besaß, auf dem wir sonst immer unsere Hörspiele gehört haben, und ich irgendwann mal raus fand, wie man damit auch Kassetten mit dem internen Mikrofon bespielen kann, konnte ich alles was von außen zu hören war, auf das Band aufnehmen. Ich stellte also den Kassetten Rekorder vor meinen Fernseher, an dem der Amiga angeschlossen war und drückte die Record- und Play-Taste gleichzeitig. So nahm ich nach und nach meine Lieblings-Songs auf und war im Nachhinein überrascht, warum man auch unsere Stimmen auf dem Band hörte. 😉 Man muss sich ja eigentlich nicht wundern, dass ich dann 2009 mit Radio und Videostreaming angefangen habe und 2013 ja dann sogar mein eigenes Radio online gebracht habe. Aus heutiger Sicht kann man da schon irgendwie ein paar Parallelen erkennen. :-p Aber diese Kassette nahm ich damals sogar mit in die Schule. Es gab mal eine Lehrerin die in ihrem Kunstunterricht Musikhören duldete. Sie stellte für die Allgemeinheit einen Kassettenrekorder zur Verfügung. Ich muss ehrlich gestehen, dass ich es mir dreimal überlegt habe, ob ich meine Computermusik Aufnahme mit in die Schule nehme, um sie dort einmal laufen zu lassen. Aber ich überwand mich und prahlte stolz in der Klasse, dass ich heute auch einmal eine Kassette mit habe, die könnte man ja mal einlegen. Die Gesichter waren schon etwas skeptisch, da man wusste, dass ich etwas „anders“ war als die anderen in der Klasse. Der Moment, als die ersten Minuten der Kassette abspulten und schon gleich die ersten Proteste in die Klasse schallten, wollte ich einfach nur noch in den Boden versinken… „Das ist Computermusik!“ rief ich, wie sollte ich ihnen das auch anders erklären, sie hätten es sowieso nicht verstanden….

Und bei Turrican war es auch erstmalig so, dass mir auffiel, wer die Musik zum Spiel gemacht hatte. Das Intro von Turrican zeigte an, wer alles am Programm beteiligt war. Music: Chris Hülsbeck. „Aha, ein Chris Hülsbeck also…“ ich wusste ja weder wer das war, noch hatte ich jemals irgendwo ein Foto von ihm gesehen. Dann stellte ich fest, dass Giana Sisters auch von ihm war, und Jinks (nicht Amiga), Grand Monster Slam und und und. Plötzlich schaute ich immer nach, von wem die Musik war. Irgendwo im Handbuch oder in den Credits gab’s immer ne Möglichkeit das herauszufinden. Shadow of the Beast -> David Whittaker, Magic Pockets -> Richard Joseph … und so weiter.  Aber der Name Chris Hülsbeck sollte mich mein ganzes Leben lang begleiten, das wusste ich damals nur noch nicht. 😉 Auf der Amiga Messe in Köln besorgte mir mein Vater ein Autogramm von Chris Hülsbeck, welches auf dem Label einer Demodiskette seinen Platz fand. Die habe ich heute noch und sie hat ihren Ehrenplatz auf meinem Radio Mischpult. Etwas später nach der Messe besuchte uns ein Freund von meinem Vater, der auch auf der Messe war und dort eine CD von Chris Hülbeck gekauft hatte. Es war die Vol. 1 mit dem Albumtitel „Shades“. Mein Vater lieh sie sich aus, aber sie lief öfter in meinem CD Player, als in dem meines Vaters. 😀 Meine Güte fand ich die genial….Turrican als neue Version digital aufbereitet war der erste Track der CD, der mit knapp 15 Minuten Spielzeit daherkam. R-Type war ebenfalls mit auf der CD vertreten. Absolut fantastisch!! Hülsbeck durfte seinerzeit einen Soundtrack zur Amiga Conversion beisteuern. Die Amiga Version klang ja schon genial, aber die CD Version setzte dann dem Song noch die Krone auf. Leider musste ich die CD irgendwann mal wieder abgeben, aber ich hatte mittlerweile die technischen Möglichkeiten eine CD auf Kassette zu überspielen. Auf diese Art konnte ich sie mir erhalten.

Es gab tatsächlich noch mehr CDs von ihm, wie ich im laufe der Jahre erfahren sollte. Das Album „To be on Top“ lieh ich mir ebenfalls von Papas Freund aus. Ebenso genial, wobei ich das Spiel „To be on Top“ offen gestanden bis dato nie gespielt hatte. Dann war erstmal eine Weile Ruhe um Chris Hülsbeck. Er fiel mir erst wieder auf, als Turrican für das Super Nintendo raus kam. Und dann erst wieder, als wir die Playstation hatten und das Spiel „Tunnel B1“ rauskam. Ich traute meinen Augen nicht! Ich dachte, das gibt’s doch nicht! Es gibt ihn immer noch! In der Multiplattform-Spielezeitschrift „Videogames“ berichtete man sogar über den Soundtrack zu Tunnel B1, den man im Handel wohl kaufen konnte. Eine Internet Adresse stand dabei wo man diese bestellen konnte. Aber Himmel, wer hatte denn 1996 schon Internet?? Man wusste ja noch nicht mal so genau, was das überhaupt war, dieses Internet. Wie der Zufall es dann so wollte, nahm mich mal ein Kumpel mit nach Köln und wir fuhren dort in den Saturn, um zu schauen was man dort für CDs bekommen kann. Wenn man viel Auswahl wollte, lohnte sich der Weg nach Köln. Seinerzeit gab es vom Saturn dort den „CD Tower“. Ich weiß nicht ob das Ding damals wirklich so hieß oder ob man ihn Umgangssprachlich in der Bevölkerung so nannte, aber es war tatsächlich so, dass dieser Tower 6 Etagen hatte, die bis zum Rand voll gestopft waren mit CDs, von allen Möglichen bis unmöglichen Künstlern. Und da schwirrte mir der Beitrag der Videogames durch’s Hirn. Vielleicht könnte man die CD ja hier bekommen??? 30 DM hatte ich im Geldbeutel und hoffte, dass es reichen könnte, falls es sie hier gab. Ich befragte einen Angestellten, ob sie auch CDs von Chris Hülsbeck hätten. Und er sagte JA! Ich wurde weich in den Knien und ich traute meinen Augen nicht, als es tatsächlich einen Bereich im CD Regal gab, der einen Regal Trenner hatte, mit der Aufschrift „Chris Hülsbeck“. In diesem Fach lag sie, meine erste CD, die ich mir von ihm kaufte: Tunnel B1

1999 wurde bei uns Zuhause das erste Internet mit 56k Modem installiert. Es dauerte nicht lange, bis ich zum ersten Mal auf die aufgedruckte Internet Adresse ging, die in dem Booklet der Tunnel B1 CD stand. Dort öffnete sich ein Internet Shop mit dem Namen Synsoniq. Dort konnte man auch damals schon allerhand Gamesoundtracks kaufen. Unter anderem auch alle CDs die Chris Hülsbeck bis dato raus brachte. Hier entschied sich bald, dass ich ein guter Kunde werden sollte und so kaufte ich nach und nach alle Alben. Heute bin ich froh, dass ich das gemacht habe, denn bereits 2006 wurde das Pressen seiner CDs eingestellt und nur noch die Restbestände über den Synsoniq Shop verkauft. Bis heute verfolge ich die Arbeit von Chris Hülsbeck und es ist toll, seine Laufbahn von Anfang an miterlebt zu haben.

Aber nicht nur Spiele Musik hat mich fasziniert. Es gab noch eine andere Quelle, die mich zu Musik auf dem Amiga führte. Über einen Computerfreund erfuhr mein Vater, dass es in „diesem Internet“ das „Aminet“ gab. Quasi ein Netzwerk, nur für Amiga Nutzer, die dort Programme (Freeware oder Public Domain), Grafiken und Musik anderen Nutzern zur Verfügung stellten. Wir hatten natürlich keinen Zugang dazu, aber eines Tages blätterte mein Vater in dem Fachmagazin AMIGA und stolperte über ein Inserat des Versandhandels „Schatztruhe“. Dort wurde eine 4er CD Box Angeboten, die „The best of Aminet Vol. 1“ enthielt. Die wollte mein Vater gleich bestellen, da er doch auch mal sehen wollte, was man da so finden kann. Ein Internet Anschluss war noch nicht bezahlbar, abgesehen davon, waren die Modemgeschwindigkeiten noch so gering, das es viel zu lang gedauert hätte. Ich erinnere mich, dass er mal was sagte von 14.4er, aber jetzt bekäme man ja schon 28.8er (28,8 kbits/sek), aber alles noch zu teuer. Also kam die Aminet CD gerade recht. Als die CD Box Zuhause ankam, landete sie auch schon gleich im CD-Rom Laufwerk unseres Amiga 4000. Von nun an sollten die CDs heiß laufen, wir bummelten durch alle Verzeichnisse und waren erstaunt über das, was uns da geboten wurde. Fantastische Pixel Grafiken, coole Freeware Games und vor allem – und das war eigentlich das Wichtigste für mich – gab es einen ganzen Haufen MOD Files aus der Demoszene, auch Module genannt, die mit Tracker Programmen wie z.B. dem Protracker erstellt wurden! Musik ohne Ende! Glücklicherweise fand ich diese Musik:

 

Dieser Track nannte sich Space Debris und wurde von dem Komponisten „Captain“ kreeiert. Gänsehaut vom Feinsten! Ich fand diese Musik sowas von genial und ich wurde immer stolzer auf den Amiga, das er zu so etwas fähig war. Ich weiß nicht mehr, wie oft ich dieses Musikstück gehört habe, aber ich konnte einfach nicht mehr aufhören. Ich habe mir damals noch viel mehr Musik von diesen Aminet CDs angehört und ein paar davon sind heute auch in mein Radio gewandert.