Chris Hülsbeck – Discographie – Tunnel B1 – 1997

Original Video Game Soundtrack

Tunnel B1 Soundtrack

Eine düstere, elektronische und zugleich symphonisch angehauchte Klangreise durch die unterirdischen Welten von „Tunnel B1“ – und die CD, mit der meine persönliche Hülsbeck-Sammlung begann.

Vorderseite des Tunnel B1 Soundtracks von Chris Hülsbeck
Die Vorderseite des „Tunnel B1“-Soundtracks.
Veröffentlicht 15. Oktober 1997
Umfang 24 Titel · 64:23 Min.
Spielsysteme PlayStation, PC und Saturn
Label synSONIQ Records

Mein persönlicher Blick auf „Tunnel B1“

„Tunnel B1“ war meine erste CD, die ich mir von Chris Hülsbeck zulegte. Ich erfuhr von ihr, als ich 1996 in der Spielezeitschrift „Video Games“ einen Artikel darüber las, dass Chris zum Launch des PlayStation-Spiels schon bald seine neue CD veröffentlichen würde.

Mit dieser CD wurde auch eine Sammelleidenschaft in mir entfacht. Mit der hinten aufgedruckten Webadresse wusste ich endlich, wo ich auch noch die anderen CDs bekommen konnte, die Chris in den Jahren zuvor veröffentlicht hatte.

An diesem Soundtrack haben mich unheimlich die Tracks „Oceanos“ und „Credits“ fasziniert. Chris gestaltete eine Klangwelt, die sich sehr gut ins Spielgeschehen integrierte. Mein CD-Player lief beim Track „Credits“ schon beinahe heiß. Ich konnte nicht genug bekommen von diesem Song, der ausschließlich auf einem Klavier gespielt wurde.

Track 23 beinhaltet einen Remix, der das gesamte Thema von „Tunnel B1“ in einer schnelleren Techno-/Trance-Version zusammenfasst. Ein Remix von Chip Holland. Chip Holland? Wer ist das, habe ich mich damals gefragt und gedacht: Es ist sicher ein befreundeter Musiker. Das kam in der Vergangenheit öfter vor, da Chris Gäste im Studio hatte, mit denen er zusammenarbeitete. In diesem Fall war es aber anders, denn wenn Chris seine eigenen Songs remixte, tat er dies unter dem Synonym Chip Holland.

Wie ich die CD in Köln fand

In dem Artikel aus der „Video Games“ stand eine Internetadresse, über die man die CD bestellen konnte. Aber Himmel, wer hatte denn 1996 schon Internet? Man wusste ja noch nicht einmal so genau, was dieses Internet überhaupt war.

Wie der Zufall es dann so wollte, nahm mich ein Kumpel mit nach Köln. Wir fuhren dort zum Saturn, um zu schauen, was man dort für CDs bekommen konnte. Wenn man viel Auswahl wollte, lohnte sich damals der Weg nach Köln. Seinerzeit gab es dort bei Saturn den „CD-Tower“.

Ich weiß nicht, ob das Ding damals wirklich so hieß oder ob man es in der Bevölkerung umgangssprachlich so nannte. Aber es war tatsächlich so, dass dieser Tower sechs Etagen hatte, die bis zum Rand vollgestopft waren mit CDs von allen möglichen bis unmöglichen Künstlern.

Da schwirrte mir der Beitrag aus der „Video Games“ durchs Hirn: Vielleicht konnte man die CD ja hier bekommen? 30 DM hatte ich im Geldbeutel und hoffte, dass es reichen würde – vorausgesetzt, sie war überhaupt erhältlich.

In diesem Fach lag sie: meine erste CD, die ich mir von ihm kaufte – „Tunnel B1“.

Die Musik der unterirdischen Welt

Das Spiel „Tunnel B1“ erschien 1996 für PlayStation und PC; 1997 folgte die Sega-Saturn-Fassung. Entwickelt wurde es von Neon und veröffentlicht von Ocean. Chris Hülsbeck war für Musik und Soundeffekte zuständig. Der Soundtrack entstand 1997 in den Ongame Soundfactory Studios in Frankfurt am Main und wurde von ihm arrangiert, eingespielt und produziert.

Musikalisch verbindet das Album elektronische Klangflächen, treibende Rhythmen und symphonisch wirkende Elemente. Genau diese Mischung passt zu den langen Tunneln, den technischen Anlagen und der bedrohlichen Atmosphäre des Spiels. Kurze Stücke wie „Mission Failed“, „Stage Cleared“ oder „Game Over“ erfüllen eine klare Funktion im Spiel, während längere Titel wie „Oceanos“, „Tartarus“ und „Nemesis“ auch unabhängig davon sehr gut funktionieren.

Oceanos Für mich einer der faszinierendsten Titel des Albums und ein besonders gutes Beispiel für seine dichte Atmosphäre.
Credits Das ruhige Gegenstück zur Action des Spiels – und der Titel, den ich damals immer wieder von vorn hören musste.
Intro (FX Mix) Eine alternative Fassung des Hauptthemas, die stärker mit Geräuschen und der filmischen Wirkung des Spiels arbeitet.
The Tunnel Vier längere Remix-Fassungen führen das musikalische Thema am Ende der CD in Richtung Techno und Trance weiter.

Warum so viele Titel aus der griechischen Mythologie stammen

Ein interessantes Detail fällt schon beim Lesen der Titelliste auf: Viele Stücke tragen Namen aus der griechischen Mythologie. Damit wird die Fahrt durch die Tunnel beinahe zu einer Reise durch die Unterwelt. Die Namen verstärken das Gefühl, immer tiefer in einen gefährlichen, fremden Ort vorzudringen.

Charon und Styx Charon ist der Fährmann, der die Toten über den Unterweltfluss Styx bringt.
Cerberus Der mehrköpfige Höllenhund bewacht den Eingang zur Unterwelt.
Orpheus und Euridice Ihre Geschichte führt Orpheus auf der Suche nach Eurydike bis in das Reich der Toten.
Tartarus und Nemesis Tartaros bezeichnet den tiefsten Bereich der Unterwelt; Nemesis steht für ausgleichende Vergeltung.

Die Geschichte hinter Chip Holland

Meine damalige Entdeckung lässt sich auch im Abspann des Spiels wiederfinden: Dort wurde der Soundtrack als Produktion von „Chip Holland alias Chris Hülsbeck“ ausgewiesen. Der Remix ist also kein fremder Blick auf Hülsbecks Musik, sondern seine eigene, stärker auf Techno und Trance ausgerichtete Variante des Themas.

Die letzten vier Titel zeigen zugleich, wie offen der Soundtrack für die elektronische Musikszene der 1990er-Jahre war: Neben Chip Holland sind Remixe von Planet Trax, D.J.P.A.W. und Luiz O’Brian enthalten. Dadurch endet das Album nicht ruhig mit den „Credits“, sondern bekommt noch einmal einen langen, tanzbaren Nachschlag.

Die vollständige Titelliste

Die ersten 20 Titel bilden den eigentlichen Spielesoundtrack. Danach folgen vier längere Remix-Versionen von „The Tunnel“; diese sind in der Liste orange hervorgehoben.

1. Logo0:14
2. Prologue3:39
3. Intro1:44
4. Menue2:43
5. Charon1:57
6. Oceanos5:49
7. Mission Failed0:07
8. Cerberus1:05
9. Erinyes1:35
10. Stage Cleared0:10
11. Orpheus1:56
12. Tartarus3:14
13. Bonus0:06
14. Euridice3:22
15. Styx1:57
16. Game Over0:08
17. Nemesis3:41
18. End Sequence0:34
19. Credits4:15
20. Intro (FX Mix)1:47
21. The Tunnel (Planet Trax Remix)6:19
22. The Tunnel (D.J.P.A.W. Remix)5:25
23. The Tunnel (Chip Holland Remix)6:18
24. The Tunnel (Planet Trax Vocalmania)6:18

Rückseite und CD

Der Soundtrack ist heute als digitales Album direkt bei Chris Hülsbeck erhältlich.

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