Computermusik-CDs jenseits von Chris Hülsbeck
Spielemusik war für mich nie bloß eine Begleitung zum Spiel. Viele Melodien blieben auch dann noch im Kopf, wenn der Amiga oder Atari längst ausgeschaltet war. Die CDs auf dieser Seite zeigen, wie Komponisten ihre damaligen Stücke später im Studio neu arrangierten – und wie aus technischen Grenzen eigenständige Musik wurde.
Die Immortal-Reihe vereint zahlreiche bekannte Amiga-Komponisten. Die beiden Alben von Allister Brimble zeigen dagegen zwei unterschiedliche Seiten eines einzelnen Musikers, während Jochen Hippels frühe CD eng mit der Thalion-Ära verbunden ist. Alle hier gezeigten Ausgaben befinden sich in meiner Sammlung.
Immortal – The Amiga Game Music Album
Mit Immortal begann 1999 eine CD-Reihe, die heute wie ein musikalisches Gedächtnis des Amiga wirkt. Initiator des ersten Albums war Ruben Monteiro. Statt die Originalmodule lediglich von einem Amiga aufzunehmen, wurden bekannte Spielmelodien für eine Audio-CD neu arrangiert.
Einen großen Teil nimmt David Whittakers Musik aus Shadow of the Beast ein. Daneben sind unter anderem neue Fassungen aus Project-X, Superfrog, Harlequin, Utopia, Turrican und Alien Breed 3D vertreten. Allister Brimble, Barry Leitch und Bjørn Lynne bearbeiteten dabei eigene Kompositionen; andere Stücke wurden von Ruben Monteiro neu interpretiert. Zusätzlich enthielt die CD einen Datenbereich mit einem gerenderten Videoclip – 1999 noch eine besondere Zugabe.
Immortal 2 – Amiga Game Music Collection
Für den zweiten Teil übernahm Jan Zottmann die Produktion. Das Konzept wurde noch deutlicher auf die ursprünglichen Komponisten ausgerichtet: Viele Musiker kehrten zu ihren eigenen Amiga-Stücken zurück und arrangierten sie mit moderner Studiotechnik neu.
Die Auswahl reicht von Lotus Turbo Challenge 2, Lionheart, SWIV und Body Blows über Jim Power, Z-Out und James Pond: RoboCod bis zu X-Out, Battle Squadron und Lethal Xcess. Damit wird die CD nicht nur zu einer Sammlung bekannter Melodien, sondern auch zu einem Wiedersehen mit Barry Leitch, Matthias Steinwachs, Allister Brimble, Chris Hülsbeck, Rudolf Stember, Tim Wright, Richard Joseph, Ron Klaren und Jochen Hippel.
Immortal 3 – Musik von den Amiga-Legenden
Nach mehr als dreieinhalb Jahren Arbeit erschien Immortal 3 im Juni 2006 als umfangreiche Doppel-CD. Mit 35 Titeln und mehr als zweieinhalb Stunden Laufzeit war das Projekt deutlich größer als seine Vorgänger. Erneut führte Jan Zottmann die Produktion; bei einzelnen Stücken wirkten außerdem Thomas Böcker und die Merregnon Studios mit.
Die Titelauswahl liest sich beinahe wie ein Rundgang durch die Amiga-Geschichte: Apidya, Turrican 2 und 3, Pinball Dreams, The Chaos Engine, Agony, Alien Breed, Wings of Death, Amberstar, Shadow of the Beast 2, Pinball Fantasies, Katakis und viele weitere Spiele sind vertreten. Die meisten Stücke wurden eigens für das Album neu eingespielt – häufig von den Komponisten selbst.
Besonders auffällig ist die orchestrale Apidya Suite. Sie zeigt, wie selbstverständlich eine Melodie, die einst für einen Heimcomputer entstand, auch in einem größeren, sinfonischen Klangbild bestehen kann.
Bang! Tick.. Tick..
Bang! Tick.. Tick.. ist kein gewöhnliches Best-of mit neu eingespielten Spielmelodien, sondern ein eigenständiges Konzeptalbum. Allister Brimble beschreibt darin musikalisch einen vollständigen Kreislauf: vom Urknall und der Entstehung des Universums über Ordnung, Leben und dunklere Zeitalter bis zum Zusammenbruch – dem „Big Crunch“.
Die Stücke gehen ohne harte Pausen ineinander über. Das Ende führt wieder zum Anfang zurück, wodurch sich das Album theoretisch endlos im Kreis hören lässt. Titel wie Everywhere & Everything, Order from Chaos, New Constellation, Dark Age und Epitaph machen den erzählerischen Aufbau bereits in ihren Namen sichtbar.
Sounds Digital
Sounds Digital war Allister Brimbles erstes CD-Album. Es verbindet eigenständige elektronische Stücke mit neu produzierten Fassungen aus seiner Amiga-Arbeit. Project-X und Full Contact erinnern direkt an Team17, während Titel wie Voyager, Himalayan Sunrise, Assassin, Creation und Magnetic Drops auch unabhängig von einem Spiel funktionieren.
Technisch ist die CD ebenfalls ein Zeitdokument. Brimble arbeitete unter anderem mit einem Kurzweil K2000 und übertrug Stücke wie „Voyager“ weitgehend direkt digital auf DAT und anschließend auf CD. Bei „Himalayan Sunrise“ griff er eine ursprüngliche Idee aus dem Spiel Dojo Dan auf und entwickelte sie mit den Klängen neuerer Synthesizer weiter. 2017 überarbeitete er das Album noch einmal als Remaster.
Jochen Hippel – Give It a Try
Give It a Try erschien bereits 1990 über Thalion Software und gehört damit zu den sehr frühen CD-Veröffentlichungen, auf denen ein deutscher Spielekomponist seine Computermusik in ausgearbeiteter Albumform präsentierte. Jochen Hippel war nicht nur Musiker, sondern auch Programmierer und eng mit der Atari-ST-Demoszene sowie den Spielen von Thalion verbunden.
Auf der CD finden sich zwei Fassungen des Themas aus Wings of Death, außerdem Glory aus No Second Prize, The Tower, The Wizard, der augenzwinkernde Bittner Rap und Auszüge aus Dragonflight. So wird aus dem Album zugleich ein klingender Ausschnitt der frühen Thalion-Zeit. Hippels klare, melodische Handschrift bleibt auch in der Studioproduktion sofort erkennbar.

















