Bridge From The Past To The Future
Eine musikalische Brücke zwischen Filmmusik, bekannten Spielesoundtracks und seltenen Kompositionen aus unterschiedlichen Stationen von Chris Hülsbecks Karriere.
Gerade noch rechtzeitig entdeckt
Auch über diese CD wusste ich damals nicht besonders viel. Entdeckt habe ich sie eher zufällig im Shop von synSONIQ. Zu dieser Zeit fiel mir immer häufiger auf, dass ältere Hülsbeck-CDs irgendwann nicht mehr nachproduziert wurden und aus dem Sortiment verschwanden. Deshalb kaufte ich „Bridge From The Past To The Future“, solange sie dort noch erhältlich war – bevor auch dieser Bestand aufgebraucht war.
Heute bin ich darüber froh, denn bei diesem Album handelt es sich um mehr als eine gewöhnliche Zusammenstellung bekannter Stücke. Es verbindet Filmmusik, Arbeiten für Computerspiele und Kompositionen aus Projekten, die kaum jemand kennt. Der Titel passt deshalb erstaunlich gut: Die CD schlägt tatsächlich eine Brücke zwischen Hülsbecks früheren Werken und seiner damaligen Entwicklung hin zu einer stärker filmisch geprägten Musik.
Was war eigentlich eine DAM-CD?
Die erste Ausgabe erschien über MP3.com als sogenannte DAM-CD. Die Abkürzung stand für „Digital Automatic Music“. Diese CD-Rs wurden nicht in einer großen Stückzahl vorproduziert, sondern erst dann hergestellt, wenn jemand ein Exemplar bestellte. Für unabhängige Musiker war das damals eine ungewöhnlich moderne Möglichkeit, ein Album weltweit anzubieten, ohne vorher eine komplette CD-Auflage finanzieren und lagern zu müssen.
Eine DAM-CD ließ sich wie eine normale Audio-CD im CD-Spieler anhören. Zusätzlich besaß sie einen Datenbereich für den Computer. Darin lagen die Stücke auch als MP3-Dateien; je nach Veröffentlichung konnten außerdem Künstlerbilder, Informationen oder Verweise auf die Internetseite enthalten sein. Damit war die CD gewissermaßen ein Übergangsprodukt zwischen klassischem Tonträger und digitalem Musikvertrieb – lange bevor Downloads und Streaming selbstverständlich wurden.
Hülsbeck weist bei der heutigen digitalen Ausgabe ausdrücklich darauf hin, dass sie direkt von den ursprünglichen Masteraufnahmen stammt. Wer FLAC oder WAV wählt, erhält die Musik daher ohne den Qualitätsverlust, der bei den komprimierten MP3-Dateien der damaligen DAM-Ausgabe entstehen konnte.
Filmmusik trifft auf bekannte Spielewelten
Musikalisch strebt das Album häufig in Richtung Filmmusik. Besonders deutlich wird das bei den beiden Stücken aus dem Kurzfilm „Licht am Ende des Tunnels“ und bei der Musik zu „Cut Character“. Daneben stehen vertraute Namen wie „Tunnel B1“, „Battle Isle“, „Turrican II“ und „Turrican 3“. Dadurch wirkt das Album wie ein Querschnitt durch Hülsbecks Arbeit außerhalb der üblichen Grenzen eines einzelnen Spielesoundtracks.
In meinen damaligen Notizen hatte ich die Titel 1 und 12 einer Werbefilmuntermalung zugeordnet. Bei der heutigen digitalen Veröffentlichung wird Titel 12 genauer als „Thriller & Action Collage (Unreleased Romance Movie Project)“ bezeichnet. Zu „Galileo Theme“ lässt sich dagegen keine eindeutige Herkunft mehr zuverlässig belegen. Deshalb bleibt diese Komposition im Beitrag bewusst ohne erfundene Hintergrundgeschichte.
Die 14 Titel im Überblick
Die später veröffentlichte Fassung enthält 14 Kompositionen. Bei einzelnen Titeln unterscheiden sich die Namen und Laufzeiten geringfügig von der ursprünglichen DAM-Ausgabe.
Eine echte Brücke durch Hülsbecks Werk
„Bridge From The Past To The Future“ ist kein klassisches Best-of-Album. Dafür ist die Auswahl zu eigenwillig und enthält zu viele Stücke, die abseits seiner bekanntesten Veröffentlichungen entstanden. Gerade das macht die CD interessant: Sie zeigt, dass Chris Hülsbeck nicht nur eingängige Melodien für C64-, Amiga- und Konsolenspiele schreiben konnte, sondern schon früh nach einem größeren, filmischeren Klang suchte.
Für mich ist die CD heute außerdem ein Stück Erinnerung an die Zeit, in der man im synSONIQ-Shop noch auf den Lagerbestand schauen musste und nie genau wusste, ob eine vergriffene Hülsbeck-CD irgendwann wiederkommen würde. Dass ich damals rechtzeitig zugegriffen habe, war also die richtige Entscheidung.
Das Album ist heute digital direkt von den ursprünglichen Masteraufnahmen erhältlich.
„Bridge From The Past…“ bei Bandcamp ansehen ↗