Warum trägt Super Mario einen Schnurrbart?
Marios Schnurrbart war ursprünglich kein modisches Accessoire. Er entstand aus einer technischen Notwendigkeit: Shigeru Miyamoto musste mit extrem wenigen Pixeln ein erkennbares menschliches Gesicht zeichnen.
Bevor Mario überhaupt Mario hieß
Als Shigeru Miyamoto für „Donkey Kong“ das kleine Spielermännchen zeichnete, dachte er noch nicht an den berühmten Helden, den heute fast jeder kennt. Von einem italienischen Klempner namens Mario war damals noch keine Rede.
Die Spielfigur wurde zunächst „Jumpman“ genannt. Da das Spiel auf einer Baustelle angesiedelt war, verdiente sie ihre Brötchen außerdem noch als Tischler beziehungsweise Bauarbeiter. Donkey Kong war in der damaligen Geschichte Jumpmans entlaufenes Haustier, das Pauline entführt hatte.
Miyamoto selbst bezeichnete die Figur während der Entwicklung auch als „Mr. Video“. Seine Idee war, denselben Charakter später in verschiedenen Videospielen auftreten zu lassen – ähnlich wie ein Schauspieler, der immer wieder andere Rollen übernimmt.
Den Namen Mario erhielt die Figur erst durch Nintendo of America. Dort erinnerte der kleine Mann offenbar an Mario Segale, den damaligen Vermieter eines von Nintendo genutzten Gebäudes. Aus Jumpman wurde schließlich Mario – und der Tischler entwickelte sich später zum Klempner.
Das Problem mit dem Gesicht
Der Schnurrbart war kein Zufall. Er entstand aber auch nicht deshalb, weil Miyamoto unbedingt eine Figur mit Bart zeichnen wollte. Das eigentliche Problem waren die stark begrenzten grafischen Möglichkeiten.
Die ursprüngliche Figur war lediglich 16 × 16 Pixel groß. Für ein Gesicht blieben davon nur sehr wenige Bildpunkte übrig. Miyamoto versuchte zunächst, Augen, Nase und Mund einzeln darzustellen. Das Ergebnis war jedoch kaum als menschliches Gesicht zu erkennen.
Auf dem Bild ohne Bart sieht man das Problem recht gut: Das Gesicht wirkt wie eine undeutliche Fläche. Ein paar zusätzliche Pixel für einen Mund brachten ebenfalls nicht die gewünschte Verbesserung.
Also setzte Miyamoto unterhalb der Nase eine dunkle Pixelfläche ein. Diese konnte gleichzeitig als Mundbereich und als Schnurrbart verstanden werden. Der Bart trennte die Nase deutlich vom unteren Gesicht und sparte zusätzlich die Pixel für einen eigenen Mund.
Der Schnurrbart war somit eine einfache, aber geniale Lösung: Mit wenigen dunklen Pixeln bekam Mario ein deutlich erkennbares Gesicht – und ganz nebenbei eines seiner berühmtesten Markenzeichen.
Auch Mütze und Latzhose hatten einen Zweck
Nicht nur der Schnurrbart entstand aufgrund der begrenzten Technik. Fast jedes bekannte Merkmal von Marios Aussehen erfüllte ursprünglich eine praktische Aufgabe.
Er ersetzte einen detaillierten Mund und trennte Nase und Gesicht deutlich voneinander.
Dadurch musste Miyamoto keine Haare zeichnen oder deren Bewegung aufwendig animieren.
Unterschiedliche Farben für Arme und Oberkörper machten die Laufbewegung besser sichtbar.
Für die Laufanimation standen nur wenige Einzelbilder zur Verfügung. Deshalb mussten sich Marios Arme farblich vom restlichen Körper unterscheiden. Eine Latzhose war dafür die ideale Lösung. Gleichzeitig passte sie hervorragend zu einem Arbeiter auf einer Baustelle.
Auch die Mütze war vor allem ein technischer Trick. Detaillierte Haare hätten zusätzliche Pixel benötigt und wären bei der Bewegung schwer zu animieren gewesen. Mit einer festen Kopfbedeckung ließ sich dieses Problem elegant umgehen.
Aus einer Notlösung wurde ein Markenzeichen
Miyamoto holte aus den damaligen technischen Möglichkeiten das Beste heraus. Schnurrbart, Mütze und Latzhose waren zunächst keine ausgearbeitete Hintergrundgeschichte, sondern clevere Lösungen für ganz praktische Grafikprobleme.
Und dabei ist es geblieben. Was 1981 mit wenigen Pixeln begann, entwickelte sich zu einem der bekanntesten Figurendesigns der Videospielgeschichte. Mario ohne Schnurrbart? Heute wäre das eigentlich kaum noch vorstellbar.
Manchmal entstehen die besten Ideen eben nicht trotz technischer Einschränkungen, sondern gerade wegen dieser Einschränkungen.