Chris Hülsbeck – der Soundmagier
Vom C64-Musikwettbewerb über Rainbow Arts bis zu großen orchestralen Projekten: Chris Hülsbecks Musik hat zahlreiche Spiele geprägt – und viele seiner Melodien begleiten mich bis heute.
Mit „Shades“ begann die Karriere
Chris Hülsbeck ist Komponist für Spielemusik. Seine musikalische Begabung findet sich bereits in seiner Familie wieder, denn auch seine Mutter war eine begeisterte Klavierspielerin. Seine Karriere begann als Teenager: Mit 17 Jahren nahm er an einem Computermusikwettbewerb teil und belegte 1986 mit seinem Stück „Shades“ den ersten Platz des C64-Musikwettbewerbs.
Schon vorher hatte Chris viel Erfahrung mit der Soundprogrammierung auf dem C64 gesammelt. Er versuchte früh, die Maschinensprache Assembler zu erlernen, und entwickelte den „SoundMonitor“. Dieses Programm brachte die Fähigkeiten des SID-Soundchips wesentlich besser zur Geltung, als es mit den normalen Möglichkeiten des C64 machbar gewesen wäre. Mithilfe des SoundMonitors entstand schließlich auch „Shades“.
Der erste Platz beim Wettbewerb des Markt-&-Technik-Verlags blieb nicht ohne Folgen. Chris hatte selbst nicht damit gerechnet, zu gewinnen. Das Preisgeld legte er zunächst zurück und setzte es einige Monate später als Teil der Finanzierung für einen Amiga 1000 ein. Der Computer war damals erheblich teurer als das gewonnene Preisgeld – trotzdem war die Auszeichnung ein wichtiger Schritt auf seinem weiteren Weg.
Planet of War und die Zeit bei Rainbow Arts
Ein frühes Spielprojekt, für das Chris Hülsbeck Musik schrieb, war „Planet of War“. Ein Freund hatte das Spiel programmiert und später an eine Firma verkauft, die es in kleinen Stückzahlen veröffentlichte. Rund ein halbes Jahr später gewann Chris mit „Shades“ den C64-Musikwettbewerb und wurde damit einer deutlich größeren Öffentlichkeit bekannt.
Schon bald wurden verschiedene Softwarefirmen auf ihn aufmerksam. Die Spieleschmiede Rainbow Arts verpflichtete Chris schließlich für mehrere Jahre als Musikprofi. In dieser Zeit entstanden Werke zu Spielen wie „Jinks“, „Bad Cat“, „To Be on Top“, „The Great Giana Sisters“, „Katakis“, „R-Type“, „X-Out“ sowie „Turrican“ und „Turrican II“. Diese Titel gehören für mich zu den Höhepunkten dieses Abschnitts seiner Karriere.
Musik, die Spiele unvergesslich macht
Es folgten noch viele weitere Werke, die für mich alle etwas gemeinsam haben: Sie sind Ohrwürmer und laden zum Mitsummen ein. Wenn man genau hinhört, könnte man manchmal sogar meinen, Chris hätte Musik für große Filmproduktionen komponiert. Für meinen Geschmack steht er einem John Williams in nichts nach.
Ich weiß nicht, ob jemand, der die dazugehörigen Spiele nie gespielt hat, mit dieser Musik dasselbe anfangen kann wie ich. Für mich gehören Spiel und Soundtrack untrennbar zusammen. Wären viele dieser Games nicht mit Chris Hülsbecks Musik versehen worden, wären sie nur halb so gut gewesen. Übrigens hat er auch dem Amiga-Spiel „Apprentice“ einen Soundtrack spendiert – eine Musik, die mir natürlich besonders am Herzen liegt.
Seine Arbeit beschränkte sich nicht ausschließlich auf Videospiele. Mit Titeln wie „Easy Life“ und „You Rock the House“ wagte er sich auch in den Dance-Bereich. Außerdem vertonte er den Kurzfilm „Light at the End of the Tunnel“ und kam damit seinem Wunsch, Musik für Filmproduktionen zu schreiben, ein Stück näher.
An den beiden „Merregnon“-Produktionen war Chris ebenfalls mit mehreren Stücken beteiligt. Die orchestralen Arrangements waren für einen Komponisten, der seine Musik ursprünglich aus Heimcomputern herausgezaubert hatte, ein weiterer spannender Schritt. Obwohl er keine klassische Musikausbildung durchlaufen hatte, konnte er auch diese Stücke eindrucksvoll arrangieren.
Die Spielebranche und damit auch die Spielemusik haben sich seit den Heimcomputerjahren stark weiterentwickelt. Die technischen Möglichkeiten sind größer und die Stilrichtungen vielfältiger geworden. Chris Hülsbeck hat diese Entwicklung mitgemacht und trotzdem einen eigenen Klang bewahrt, den man oft schon nach wenigen Takten erkennt.