Rainbows (1994)
Pünktlich zur Amiga-Messe „World of Commodore“ in Köln erschien 1994 Chris Hülsbecks fünftes Album. „Rainbows“ blickt auf seine Zeit bei Rainbow Arts zurück, öffnet sich im weiteren Verlauf aber auch für Filmmusik, Dance-Produktionen und experimentelle Sample-Sammlungen.
Ein Rückblick auf die Rainbow-Arts-Jahre
Auch auf dieser CD hört man wieder sehr unterschiedliche Stilrichtungen. Die ersten Titel stammen aus bekannten Rainbow-Arts-Spielen: „Giana Sisters (Theme)“, „Giana Sisters (Medley)“, „Jinks“, „Z-Out (Theme)“, „Hyperblast“, „Jim Power (Medley)“ und „Super Turrican II (Preview)“.
Damit versammelt der Anfang des Albums Musik aus verschiedenen Phasen von Hülsbecks Spielekarriere. Das Giana-Sisters-Medley und das Z-Out-Thema wurden von Jürgen Frosch arrangiert. „Hyperblast“ stammt von Rudolf Stember, während die übrigen Stücke dieses Abschnitts von Chris Hülsbeck komponiert und arrangiert wurden.
Der Albumtitel passt deshalb sehr gut: „Rainbows“ zeigt ein breites musikalisches Farbspektrum und erinnert gleichzeitig an die Zeit, in der Chris mit seiner Musik zahlreiche Spiele von Rainbow Arts prägte.
Filmmusik und ein nie veröffentlichtes Spiel
Titel 8 stammt aus einem Amateur-Actionfilm. Hinter dem Projekt stand ein guter Freund von Chris, und so komponierte er für „Cut Character“ die Filmmusik. Die Fassung auf dieser CD ist ein Medley, das verschiedene kurze Ausschnitte aus dem Filmsoundtrack miteinander verbindet.
Titel 9, „8.15 to Nowhere“, ist eine neu gemasterte Fassung eines Stücks aus dem Jahr 1987. Ursprünglich war die Musik für ein Spiel vorgesehen, das jedoch nie veröffentlicht wurde. Damit bewahrt die CD auch ein Werk, das ohne „Rainbows“ vermutlich nur wenigen Hörern bekannt geworden wäre.
Der Ausflug in die Dance-Musik
Sehr interessant ist auch Titel 10: „Easy Life (Extended)“. Die Musik stammt von Chris Hülsbeck, der Text von Chris und Dwayne Cevis. Gesungen wurde das Stück von Prinzess und D’Imperial, das Arrangement übernahm Pseudo D. „Easy Life“ erschien außerdem als eigenständige Dance-Single unter dem Namen Native Vision.
Für mich beweist dieser Titel, dass Chris damals ernsthaft versuchte, mit seiner Musik auch außerhalb der Spieleszene in den Charts Fuß zu fassen. Soweit ich mich erinnere, war „Easy Life“ sogar in internationalen Dance-Charts vertreten. Die genaue Platzierung lässt sich heute allerdings nicht mehr zuverlässig belegen, weshalb ich die früher von mir genannte Position 4 nicht als gesicherte Angabe stehen lassen möchte.
Die Dance-Richtung setzt sich auf den folgenden Titeln fort. „Station 2045“, „El Ritmo“, „Yo! Rock the House“ und „Dream Dimension ’94“ wurden von Doug Laurent komponiert und von Pseudo D. arrangiert. Auf „Return to LFO“ folgt anschließend noch eine Komposition von Jörg Schwiezer.
Samplemania – Musik als Baukasten
Den Abschluss der CD bilden vier „Samplemania“-Stücke. Sie wurden von Chris Hülsbeck, Doug Laurent und Rudolf Stember zusammengestellt und sind weniger als gewöhnliche Songs gedacht. Stattdessen enthalten sie zahlreiche Klänge und kurze musikalische Bausteine aus ihrer Soundbibliothek.
Wer sich mit Musikprogrammen und Samples auskennt, kann diese Stücke auseinanderschneiden, einzelne Bestandteile in ein geeignetes Musikprogramm laden und damit selbst kreativ arbeiten. Auf diese Weise erhielt man damals einen kleinen Einblick in die Klangwelt, aus der Chris und seine Mitstreiter ihre Musik zusammensetzten. Rund um „Samplemania“ entstand außerdem ein Wettbewerb, an dem sich die Hörer mit eigenen Arbeiten beteiligen konnten.
„Rainbows“ ist auch als digitales Album erhältlich.
Digitales Album bei Bandcamp erwerben ↗ Die digitale Ausgabe enthält MP3- und FLAC-Dateien sowie einen Scan des vollständigen Booklets als PDF.