Sound Factory – Digital Audio Collection I
„Sound Factory“ verband 1995 Spielmusik, Trance und Techno mit einer für damalige Verhältnisse ungewöhnlichen Zugabe: Neben 14 Audiotiteln enthielt die CD einen eigenen PC-Datenbereich mit Musiksoftware, Samples und Hülsbecks TFMX-Modulen.
Zwischen Spielmusik, Trance und Techno
Auch 1995 brachte Chris Hülsbeck eine neue CD auf den Markt. Unter der Katalognummer HCD6 folgte „Sound Factory“ auf „Rainbows“ und führte dessen offenere elektronische Richtung weiter. Dieses Mal ist das Album deutlich stärker von Trance und Techno geprägt, ohne dabei Hülsbecks Wurzeln in der Computer- und Videospielmusik zu vergessen.
Besonders schön finde ich „Super Turrican II Credits“. In der Mitte des Stücks werden Klavier- und Streicherklänge eingespielt, die dem elektronischen Titel eine fast gefühlvolle, filmische Seite geben. Mit „Jim Power I“, „Jim Power II“ und „Apidya Credits“ sind weitere direkte Verbindungen zu Hülsbecks Spielesoundtracks enthalten.
Bei den beiden Jim-Power-Stücken stammt die Komposition von Chris Hülsbeck, während Ramiro Vaca die Arrangements übernahm. „Easy Life (Trance Mix)“ greift noch einmal den Dance-Titel von Native Vision auf und verarbeitet ihn passend zur musikalischen Richtung dieses Albums neu.
Wie „The Wave“ zu seinem Namen kam
Titel Nummer 4, „The Wave“, war ursprünglich nur beim Experimentieren mit Samples entstanden. Chris arbeitete weiter daran, bis daraus schließlich ein vollständiges Musikstück wurde. Nur einen richtigen Namen hatte der Titel zu diesem Zeitpunkt noch nicht.
Das Musikprogramm hatte die Datei automatisch als „wave01.arr“ gespeichert. Chris blieb deshalb bei dem Namen „The Wave“ und ergänzte noch das Rauschen von Meereswellen. So passten am Ende Titel, Entstehungsgeschichte und Klangbild perfekt zusammen.
Der Gewinner des Samplemania-Wettbewerbs
Pünktlich zur Kölner Amiga-Messe sollte auch der Gewinner des „Samplemania“-Wettbewerbs feststehen, der auf dem zuvor erschienenen Album „Rainbows“ angekündigt worden war. Aus diesem Wettbewerb entstand der Titel „Join the Dream“.
Komponiert und arrangiert wurde das Stück von Gunnar Kreuziger. Er war der einzige unter den vielen Einsendern, dessen Beitrag die Produzenten vollständig überzeugte. Dass sein Titel anschließend als regulärer Bestandteil auf einer CD von Chris Hülsbeck erschien, machte aus dem Wettbewerb weit mehr als eine kleine Fanaktion.
Die Idee hinter Samplemania wurde damit konsequent weitergeführt: Auf „Rainbows“ bekamen die Hörer musikalische Bausteine an die Hand, und auf „Sound Factory“ wurde gezeigt, was ein Fan daraus erschaffen konnte.
Der PC-Datentrack – eine Musikwerkstatt auf CD
Der erste Titel der Original-CD war kein gewöhnlicher Audiotrack. Er enthielt Daten, die nur auf einem PC genutzt werden konnten. Damit war „Sound Factory“ eine sogenannte Enhanced-CD: Im CD-Player lief die Musik, am Computer öffnete sich zusätzlich eine kleine digitale Klangwerkstatt.
EasyTrax konnte mit den auf der CD enthaltenen Samples gefüttert werden, sodass man selbst eigene Musik bauen und einen kleinen Einblick in Hülsbecks Arbeitsweise gewinnen konnte. Außerdem war eine Jukebox enthalten, mit der sich die Amiga-Musik im TFMX-Format abspielen ließ.
Die Daten sind auch Bestandteil der heutigen digitalen Ausgabe. EasyTrax wurde allerdings für MS-DOS-Rechner der 1990er-Jahre entwickelt und läuft deshalb unter modernem Windows nicht mehr direkt. Mit einem DOS-Emulator kann es eventuell noch gestartet werden. Die TFMX-Module lassen sich außerdem mit geeigneter Abspielsoftware oder kompatiblen Plugins öffnen.
Der vollständige Inhalt der CD
Die digitale Ausgabe führt den Datenbereich als kurzen Platzhalter auf. Die eigentliche Original-CD enthielt an dieser Stelle den vollständigen PC-CD-ROM-Bereich.
„Sound Factory“ ist weiterhin als digitales Album erhältlich.
Digitales Album bei Bandcamp erwerben ↗ Der Download enthält neben den Musikdateien auch den historischen Datenbereich und einen Scan des vollständigen Booklets als PDF.