Steckbrief
- Hersteller
- Nintendo
- Name
- Game Boy
- Veröffentlichung
- Japan, 21. April 1989
- Kategorie
- Handheld-Konsole
- Vorgänger
- Game & Watch
- Varianten
- Game Boy Pocket und Game Boy Light
- Weiterentwicklung
- Game Boy Color
- Nachfolger
- Game Boy Advance
- Prozessor
- 8 Bit, 4,19 MHz
- Arbeitsspeicher
- 8 KB
- Bildschirm
- 160 × 144 Pixel, vier Graustufen
- Stromversorgung
- 4 × 1,5-V-AA-Batterien oder Netzteil
- Datenträger
- Austauschbare Game Paks
- Spieleangebot
- Mehr als 450 veröffentlichte Spiele
- Schnittstellen
- Game Link-Port und 3,5-mm-Kopfhöreranschluss
- Verkaufsangabe
- 118,69 Millionen – Game Boy und Game Boy Color zusammen
Hinweis zur Verkaufszahl: Nintendo nennt für den ursprünglichen Game Boy und den Game Boy Color gemeinsam 118,69 Millionen verkaufte Geräte. Eine endgültige Einzelzahl ausschließlich für das klassische graue Modell wird in der offiziellen Statistik nicht ausgewiesen.
Die graue Keksdose erobert die Welt
Im Juni 1990 bekam ich den Game Boy zum ersten Mal über einen Freund meines Vaters zu sehen. Er hatte ihn aus Amerika mitgebracht, wo das Gerät schon seit 1989 erhältlich war. Bei uns in Deutschland musste man zu diesem Zeitpunkt noch ein wenig warten. Für mich war das deshalb etwas ganz Besonderes: Ich konnte einen Game Boy ausprobieren, bevor man ihn im Geschäft kaufen konnte.
Bis dahin kannte ich hauptsächlich jene einfachen LCD-Spiele, bei denen Figuren und Bewegungen fest vorgegeben waren. Der Game Boy fühlte sich dagegen wie eine richtige Spielkonsole an – nur eben zum Mitnehmen. Spiele wechseln, unterwegs weiterspielen und später sogar zwei Geräte miteinander verbinden: Das war für mich damals eine völlig neue Welt.
Als der Game Boy schließlich auch bei uns erschien, dominierte er schnell das Weihnachtsgeschäft. Nintendo hatte offenbar genau den richtigen Kompromiss gefunden: nicht die stärkste Technik, dafür robust, bezahlbar und ausdauernd.
Schwächere Technik als Erfolgsrezept
Nintendo setzte bewusst nicht auf die modernste Bildschirmtechnik. Gunpei Yokoi und sein Team entwickelten ein robustes und vergleichsweise günstiges Gerät mit sparsamer Hardware. Das reflektierende LC-Display zeigte 160 × 144 Pixel und benötigte keine Hintergrundbeleuchtung. Im Freien war es deshalb gut ablesbar; in einem dunkleren Zimmer brauchte man dagegen eine kräftige Lampe oder eines der später angebotenen Beleuchtungszubehörteile.
Technisch aufwendigere Konkurrenten wie der Atari Lynx und der Sega Game Gear boten Farbe und beleuchtete Displays. Sie waren jedoch größer, schwerer und deutlich stromhungriger. Während man beim Game Boy mit vier Batterien lange spielen konnte, war bei den Konkurrenten wesentlich schneller Schluss. Gerade als Kind war das nicht unwichtig – ständig neue Batterien zu kaufen, ging schließlich ordentlich ins Taschengeld.
Soweit ich mich erinnere, kostete der Game Boy zur Einführung ungefähr 150 DM. Spiele lagen anfangs häufig bei rund 50 DM und wurden später mit etwa 30 bis 40 DM etwas günstiger. Auch damit war Nintendo für viele Familien leichter erreichbar als manche technisch stärkere Konkurrenz.
Bedienung und Ergonomie
Als beinahe unschlagbar empfand ich die Haptik der grauen „Keksdose“ mit ihren violetten A- und B-Tasten und dem schwarzen Steuerkreuz. Nintendo hatte bereits beim NES gezeigt, wie gut ein Steuerkreuz und die dazugehörigen Tasten angeordnet sein können. Der Game Boy passte sowohl in Kinder- als auch in Erwachsenenhände und wurde selbst mit vier Batterien nicht unangenehm schwer. Für mich gehört diese Mischung aus Einfachheit, Haltbarkeit und guter Bedienbarkeit bis heute zu seinen größten Stärken.
Tetris – der perfekte Begleiter
Einen entscheidenden Anteil am Erfolg hatte das beigelegte Spiel „Tetris“. Das russische Puzzlespiel war leicht zu verstehen, aber nur schwer zu meistern – und sprach damit nicht nur klassische Videospieler an. Mit dem ebenfalls beiliegenden Game Link-Kabel konnten zwei Game Boys verbunden werden, um direkt gegeneinander anzutreten. Allein das war damals schon ein Knaller.
Die Reihen, die man auf dem eigenen Bildschirm löschte, erschienen teilweise beim Gegner. Dessen Freude über die plötzlich hinzugekommenen Steine hielt sich meistens in Grenzen – schließlich bestand das Ziel ja gerade darin, den eigenen Bildschirm leer zu halten. War man nicht schnell genug oder einfach etwas verplant, ragte der Steinhaufen bald bis an den oberen Rand. Dann hieß es: Game Over!
Tetris wurde bereits 1984 von Alexey Pajitnov in Moskau entwickelt. Nintendo hatte das Spiel also nicht erfunden, erkannte aber, wie hervorragend es zum mobilen Konzept des Game Boys passte. Diese Kombination wurde zu einem wichtigen Stück Videospielgeschichte.
Verkaufserfolg: Nintendo weist für die Game-Boy-Familie insgesamt 118,69 Millionen verkaufte Geräte aus. Erst der Nintendo DS übertraf diese Zahl später deutlich.
Pokémon bringt den zweiten Frühling
Natürlich bestand die Spielebibliothek nicht nur aus Tetris. Ich erinnere mich gern an Spiele wie Super Mario Land, R-Type, Zelda, Kirby, F1 Race, Magnetic Soccer und Dr. Mario. Diese Titel sorgten dafür, dass die graue Keksdose immer wieder hervorgeholt wurde und über viele Jahre interessant blieb.
In der zweiten Hälfte der 1990er-Jahre bekam der bereits betagte Handheld durch Pokémon noch einmal kräftigen Rückenwind. Das Spielprinzip aus Finden, Sammeln, Trainieren, Kämpfen und Tauschen passte ideal zum mobilen Gerät. Besonders das Tauschen und die Duelle über das Game Link-Kabel machten aus einem Einzelspieler-Abenteuer ein gemeinsames Erlebnis.
Kaum ein Kind kam damals an Pokémon vorbei. Nintendo hatte wieder einmal genau verstanden, wie man ein Spiel mit dem Gerät und den Spielern verbindet. Für mich war besonders spannend zu beobachten, wie der längst bekannte Game Boy plötzlich noch einmal rund um den Globus ging und eine neue Generation von Spielern eroberte.
Zubehör – mehr Licht, Klang und Spielspaß
Rund um den Game Boy entstand ein erstaunlich vielfältiger Zubehörmarkt. Einiges davon war praktisch, anderes eher kurios – und manches machte die kleine Konsole so groß, dass von „handlich“ kaum noch die Rede sein konnte.
Booster Boy
Arcade-Gefühl für zu Hause: Dieses Zubehör kombinierte Lupe, Beleuchtung, Klangverstärkung und größere Bedienelemente. Es wurde mit vier Babyzellen betrieben; zusätzlich ließ sich ein Netzteil anschließen. Ich persönlich fand den Booster Boy damals richtig cool. Die meisten Menschen, denen ich davon erzählte oder die ihn gesehen hatten, waren allerdings etwas anderer Meinung. Handlich war der Game Boy damit jedenfalls nicht mehr. 😉
↑ Nach obenExterne Lautsprecher
Der interne Lautsprecher erfüllte seinen Zweck, dennoch gab es offenbar genug Nachfrage nach mehr Klang und Lautstärke. Ein Freund von mir hatte sich dieses Modell von Nuby gekauft, sodass ich es selbst in Aktion erleben konnte. Der Stereosound war schon eine coole Sache, aber ansonsten klang es ehrlich gesagt auch nicht sooo viel besser. Lauter als der Game Boy allein wurde es aber auf jeden Fall.
↑ Nach obenLupe mit Licht
Der Light Max wurde oben auf den Game Boy gesteckt und mit zwei AA-Batterien betrieben. Zwei kleine Birnchen beleuchteten den Bildschirm, während die Lupe das Bild vergrößerte. Das war in einem dunkleren Zimmer durchaus hilfreich. Wenn man das Licht ausschaltete, musste man sich allerdings mit dem Lichteinfall arrangieren, denn die große Lupe spiegelte ziemlich stark.
↑ Nach obenLicht ohne Lupe
Wer wegen der Spiegelungen keine Lupe haben wollte, konnte sich diese einfachere Beleuchtung von Nuby besorgen. Auch hier saßen zwei kleine Glühlämpchen in einem Rahmen und konnten mit einem Schalter ausgeschaltet werden. Nicht besonders elegant, aber damals eine brauchbare Lösung, wenn im Zimmer keine Lampe günstig stand.
↑ Nach obenBattery Pack
Wer nicht ständig neue Batterien kaufen wollte und dabei vielleicht auch ein wenig an die Umwelt dachte, konnte dieses wiederaufladbare Battery Pack verwenden. Wir nannten das Ding scherzhaft immer unser „Strom-Ei“. Ich fand es wirklich praktisch: Man konnte es sogar am Gürtel befestigen und den Game Boy damit unterwegs betreiben.
↑ Nach obenKamera & Drucker
1998 erschien die digitale Schwarz-Weiß-Kamera für den Game Boy. Zusammen mit dem Game Boy Printer konnten die Aufnahmen auf kleinen selbstklebenden Thermopapier-Streifen ausgedruckt werden – ganz ohne Tinte. Handys mit Fotokamera waren damals noch Zukunftsmusik. Gerade deshalb fand ich diese Kombination so herrlich: Nintendo setzte eine Idee spielerisch um, lange bevor eine Kamera in jeder Hosentasche selbstverständlich wurde.
↑ Nach obenVier-Spieler-Adapter
1991 brachte Nintendo zusammen mit dem Rennspiel F1 Race einen Adapter für vier Spieler auf den Markt. Oh mein Gott, war das irre! Tetris zu zweit war ja schon ein Knaller. Aber während einer Freistunde in der Schule mit vier Leuten gleichzeitig ein Autorennen zu fahren, gehört zu den Game-Boy-Momenten, die ich niemals vergessen werde.
↑ Nach obenKurios: Nähmaschine mit Game Boy
Ja, ihr habt richtig gelesen: Auch das gab es! Der Game Boy wurde tatsächlich in Verbindung mit einer Nähmaschine eingesetzt. Über spezielle Software konnten Stickmuster ausgewählt und an kompatible Maschinen übertragen werden. Als ich davon zum ersten Mal erfuhr, musste ich selbst zweimal hinschauen. Das folgende Video zeigt, wie ungewöhnlich vielseitig Nintendos kleine „Keksdose“ eingesetzt wurde. 😛