Vom Fernseher zum eigenen virtuellen Flipper
Flipper, Pinball, die rollende Stahlkugel! Für mich geht von diesen Geräten eine riesige Faszination aus, die mich bis heute einfach nicht loslässt.
Wir haben in der Vergangenheit Flippermuseen besucht, da man diese Geräte kaum noch an öffentlichen Orten findet. Dabei haben wir einiges an Foto- und Videomaterial gesammelt, das ihr unter Events / On Tour findet.
Einen echten Flipper zu Hause zu haben, das wäre natürlich das Nonplusultra! Aber was ist, wenn etwas daran kaputtgeht? So gut bin ich nicht darin, elektronische Geräte zu reparieren. Deshalb wurde mein digitaler Selbstbau-Flipper zu einer spannenden Alternative – und zu einem Projekt, das sich über mehrere Jahre immer weiterentwickelte.
Die erste Version mit Nintendo Switch
Als ich mir Anfang 2020 die Nintendo Switch zulegte, gab es im Grunde nur zwei Gründe, warum ich das tat. Erst einmal wegen Super Mario Odyssey – Hammer-Spiel! Als ich dann noch hörte, dass es Pinball FX3 auch für die Switch geben sollte, wurde ich hellhörig: „Bessere Kugelphysik, noch realistischer und ab jetzt auch echte Flipperautomaten aus der Spielhalle im Programm!“ ZEN Studios hatte die Rechte für Williams-Flipper erworben.
Außerdem gab es als besonderes Feature auf der Switch die 90-Grad-Drehung des Spielfeldes. Und da war es um mich geschehen! Sofort begann mein Kopf zu arbeiten: Könnte ich mir jetzt vielleicht einen Videoflipper bauen, wenn es mit der Switch möglich ist, das Bild ins Hochformat zu drehen?
Das wäre zumindest eine gute Alternative zu einem echten Flipper. Schließlich passt das Spielfeld hochkant genau in einen Fernseher mit 16:9-Format. Mit der richtigen TV-Größe kann man schon fast mit denselben Maßen rechnen wie bei einem echten Flipper.
- Joycons mit Power Strips befestigt.
- Vorne und Hinten habe ich Eisenwinkel in den Tisch festgebohrt damit der Fernseher seine Typisches Flipper Gefälle hat und vorne nicht wegruschten kann.
Wie steuere ich das Ganze?
Als Nächstes musste ich mir überlegen, wie ich das Ganze steuere. Es machte keinen Spaß, das Joypad in der Hand zu halten, während ein Fernseher vor mir auf dem Tisch lag. Es kam einfach kein Flippergefühl auf.
Dann hatte ich die rettende Idee: Die Joy-Cons befestigte ich mit Powerstrips am Rahmen des Fernsehers. Die Schultertasten wurden zu den Flippertasten und die A-Taste diente als Abschuss. Mit dem Analogstick ließ sich sogar die Feder analog ansteuern – sofern der jeweilige Flipper noch eine Abschussfeder besaß.
Der passende Sound aus dem Keller
Im Keller hatte ich noch eine Yamaha-Soundbar. Die sorgte für den nötigen Sound! Den braucht man auch – vor allem, wenn man den Fantasy-Flipper Son of Zeus von ZEN spielen will. Eine gigantische Soundkulisse, die das Flippererlebnis noch einmal richtig geil untermalte.
Der große Umbau
Ein neues LCD-Panel
Die letzten Änderungen an meinem virtuellen Flipper-Do-it-yourself-Projekt hatte ich im August 2021 vorgenommen. Einige Zeit später hatte ich wieder die Zeit und die Möglichkeiten, ein paar Dinge zu verändern. Die größte Neuerung war der Fernseher, mit dem das Flippergeschehen dargestellt wurde. Ich tauschte den 15 Jahre alten Philips gegen einen fünf Jahre alten Sony. Das Bild war unglaublich viel schöner und schärfer.
Dieser Tausch brachte allerdings einschneidende Veränderungen mit sich. Neuere Fernsehgeräte sind viel dünner und haben einen deutlich kleineren Rand. Der 15 Jahre alte Philips – der übrigens dreimal so schwer war wie der Sony – hatte durch seine Bauweise eine hohe Stabilität mitgebracht. Dadurch konnte ich die Joy-Cons direkt am Fernseher befestigen und mich beim Spielen mit den Händen auf dem dicken TV-Rand abstützen.
Eine neue Steuerung musste her
Mit dem Sony war das auf diese Weise nicht mehr möglich. Was also tun, damit der Traum vom digitalen Selbstbau-Flipper weiterhin real blieb? Den alten Fernseher wollte ich nicht mehr verwenden, nachdem ich das viel bessere Bild des Sony gesehen hatte.
Also musste eine neue Handauflagefläche her. Im Baumarkt ließ ich mich inspirieren; eine gewisse Vorstellung davon, wie das Ganze funktionieren könnte, hatte ich bereits. Ein U-Profil war die Lösung. Eigentlich war es dafür gedacht, die Enden von Holzbalken festzuhalten und diese am Boden oder an einer Wand zu befestigen.
In dem U-Profil sollten nun die Joy-Cons befestigt werden. Dafür fand ich ein kleines Winkelstück, das perfekt in das Profil passte und nur noch mit zwei kleinen Schrauben befestigt werden musste. Mit Montagekleber konnte ich anschließend die Schiene der Joy-Cons in dieses Winkelstück einkleben. Das U-Profil klebte ich ebenfalls mit Montagekleber am Tisch fest. Hielt alles bombenfest! Nachdem der Montagekleber getrocknet war, übermalte ich sämtliche weißen Klebestellen mit einem dicken schwarzen Filzstift.
Gut aussehen und anfühlen sollte es sich natürlich auch
Die ersten Tests am Flipper ergaben allerdings, dass sich das U-Profil an den Handinnenflächen recht kalt anfühlte. Perfekt war dagegen das neue Spielgefühl: Durch die U-Profile konnte ich die Hände viel natürlicher auflegen und die Flippertasten einfacher mit den Zeigefingern erreichen. Die Haltung kam dem Spielen an einem echten Automaten wesentlich näher.
Damit das Metall für die Hände angenehmer wurde, kaufte ich eine Prickelmatte. Ich schnitt sie auf die Form des U-Profils zu und befestigte sie mit Sekundenkleber. Damit die silberne Farbe der Profile vollständig verschwand, verwendete ich den Rest der Prickelunterlage sowie schwarzes Isolierband und den dicken Filzstift. So wirkte die Konstruktion auch optisch ansprechender.
Von der Größe und Dicke her passte sie genau. Ich hatte kaum Verschnitt, weil ich mit den übrigen Stücken auch die restlichen blanken Metalloberflächen abdeckte.
Die neue Halterung für den Fernseher
Durch die neue Form und Dicke des Sony-Fernsehers passte nun auch die alte Halterung nicht mehr. Sie hatte den Fernseher in seine flippertypische Schräglage gebracht und war am Tisch festgeschraubt. Deshalb brauchte ich zwei zusätzliche kleine Winkel, die ich vorne mit jeweils zwei Schrauben an der vorhandenen Halterung befestigte.
Die beiden angeschraubten Winkel musste ich mit einer Zange so weit nach hinten biegen, dass der Fernseher darauf aufliegen konnte und nicht mehr nach vorne wegrutschte. Auch diese Winkel malte ich mit dem dicken Filzstift schwarz an.
Zwei weitere Joy-Cons
Durch Zufall entdeckte ich, dass man bei Pinball FX3 zwei zusätzliche Joy-Cons ins Spiel einbinden konnte. Alle vier Controller konnten somit in das Spiel eingreifen und jeder seine eigene Aufgabe übernehmen.
Zwei Controller saßen also in den U-Profilen und waren für die Flipperfinger zuständig. Die beiden zusätzlichen Joy-Cons sollten Tilt und Federabzug übernehmen – so zumindest meine Vision. Ich experimentierte zunächst in meiner Fantasie und probierte anschließend mehrere Ideen mit den zwei zusätzlichen Controllern aus.
Tilt
Der linke Joy-Con kümmerte sich ausschließlich darum, eine Tilt-Funktion zu simulieren. Ausgelöst wurde sie durch ein sanftes Berühren des Fernsehers auf der linken Seite. Da das Programm den Tilt analog erfasste, kam mir die Idee, den Analogstick mit einem Kabelbinder zu verlängern und den Joy-Con unter den Fernseher zu kleben.
Beim „Tilten“ berührte ich also nicht den Stick direkt, sondern den Kabelbinder, der die Bewegung sofort weiterleitete. Der Kabelbinder schaute links am Fernseher heraus und erstreckte sich vertikal nach oben. So war zumindest eine authentischere Körperbewegung möglich: mit der linken Hand an den Fernseher greifen und den Kabelbinder berühren. Das kam dem echten Tilten etwas näher, als einfach direkt an einem kleinen Analogstick herumzureißen.
Federabzug
Manche Flipper sind so aufgebaut, dass man die Kugel mit der Abschussfeder gezielt an bestimmte Stellen im Spielfeld manövrieren kann, um besondere Punkte zu bekommen – vorausgesetzt, man hat im Gefühl, wie weit die Feder dafür herausgezogen werden muss.
Um dieses Element im digitalen Flipper authentisch umzusetzen, brauchte ich auch hier den Analogstick des vierten und damit rechten Joy-Cons. Ich klebte ihn unter den Fernseher und verlängerte den Analogstick ebenfalls mit einem Kabelbinder, der anschließend unter dem Rand des Fernsehers hervorschaute.
Leider war es nicht möglich, einfach am Kabelbinder zu ziehen und die Feder millimetergenau zu positionieren. Dabei driftete der Analogstick in unterschiedliche Richtungen, sodass keine genaue Federposition bestimmt werden konnte. Dafür hätte ich eine andere bauliche Lösung gebraucht, die außerhalb meiner Möglichkeiten lag.
Ich fand aber einen anderen Weg. Er war zwar nicht ganz authentisch, was die Zugbewegung der Feder betraf, funktionierte aber perfekt: Der Kabelbinder musste seitlich bewegt werden. Nach einer kurzen Eingewöhnung bekam man ein gutes Gefühl dafür.
Die übrigen Tasten mussten abgedeckt werden
Beim Flippern war mir in der Vergangenheit öfter aufgefallen, dass ich im wilden Gefecht versehentlich auch andere Tasten am Joy-Con drückte – vor allem am rechten Controller. Die X-Taste erlaubte andere Kameraansichten, die ich eigentlich nicht benötigte. Kam man nur kurz daran, änderte sich die Ansicht und man musste anschließend mühsam durch etwa zehn Perspektiven schalten.
Sinnvoll waren für mich meistens nur Ansicht 1, gelegentlich auch 1b oder 2. Das hing etwas von der Bauweise des jeweiligen Flippers ab. Auch die auf der Y-Taste liegenden optischen Veränderungen an einem Williams- oder Bally-Tisch waren für mich völlig überflüssig. Ich wollte schließlich alles so authentisch wie möglich erleben. Doch auch diese Taste wurde schnell einmal erwischt, wenn man mit dem Finger die A-Taste für den Kugelstart suchte.
Also brauchte ich eine weitere Lösung: Die A-Taste musste sich deutlich von den übrigen Tasten abheben, während die B-Taste frei bleiben musste. Sie wurde dringend benötigt, um im Pausenmenü zurückzugehen und einen anderen Flipper auszuwählen.
Ich zerschnitt einen Filzgleiter, der eigentlich unter Tischbeinen verwendet wird, und baute daraus eine kleine „Brücke“. Die darunterliegenden Tasten durften schließlich nicht dauerhaft gedrückt werden. Einen Schönheitspreis verdiente diese Lösung zwar nicht, aber davon sah man kaum etwas, weil der Controller unter dem U-Profil verschwand.
Vom Gefühl her war das nun eine ganz andere Sache: Mit dem Finger konnte man die Erhöhung sofort ertasten, darauf Druck ausüben und schon schoss die Kugel ins Spielfeld – ohne eine andere, unerwünschte Taste auszulösen. Absichtlich ließ ich den Filzgleiter über der A-Taste weiß und malte die Umgebung schwarz an. So konnten auch andere Spieler sofort erkennen, wo sie drücken mussten.
Backbox, Beleuchtung und das damalige Ergebnis
Eine Backbox-Lampe als Dekoration
Um das Projekt perfekt zu machen, wollte ich eigentlich eine echte Backbox besorgen und über dem digitalen Flipper aufhängen. Diese Idee scheiterte daran, wie selten solche Backboxen im Internet angeboten wurden. Entweder fand man überhaupt keine oder man hätte dafür 1.500 Kilometer fahren müssen. Das ergab also keinen Sinn und eine Zwischenlösung musste her.
Nach einem kurzen Austausch mit der Arcade- und Flipper-Retro-Szene im Netz entschied ich mich für ein Bild aus Acrylglas, das mit einem LED-Streifen von hinten beleuchtet werden sollte. Ich schrieb kurz mit David von North.de. Er hatte eine schöne Idee für die Umsetzung und druckte mir das entsprechende Acrylglas.
Ganz bewusst entschied ich mich beim Dekor für den Bally-Flipper Theatre of Magic. Zu Hause und in den Museen hatte ich ihn schon oft und gerne gespielt – und ich glaube, das aus gutem Grund. Wenn man Pinball-Shop.de Glauben schenken darf, war Theatre of Magic der fünfterfolgreichste Flipper der 1990er-Jahre.
Der Ballabschuss wird noch einmal neu konstruiert
Die Konstruktion mit den weißen Filzgleitern auf der A-Taste war noch nicht intuitiv genug. Ich musste mir etwas anderes überlegen. Ich brauchte eine Art Schaukel, an der ein Legobauteil hing, das wiederum auf die A-Taste drückte.
Diese „Schaukel“ bestand aus einem Überwurfschloss, dessen Ende ich mit einer Zange umbog und anschließend mit Powerbond am Dach des U-Profils befestigte. Den 6er-Legostein fixierte ich mit Montagekleber. Auf das Überwurfschloss klebte ich zusätzlich einen Möbelgleiter. David von North.de fertigte mir den gelben Aufkleber mit der Aufschrift „Launch Ball“ an.
Jetzt reichte ein kurzes Tippen auf den Launch-Ball-Button, ohne dass der Spieler dabei die anderen Knöpfe berührte. Ich glaube, jetzt war es perfekt! 😉

































